Kundengewinnung ohne Website: Was funktioniert und was nicht
Ja, ein Handwerksbetrieb kann in Österreich ohne eigene Website gut ausgelastet sein. Getragen wird das in der Praxis von drei Dingen: Weiterempfehlung, einem gepflegten Google-Unternehmensprofil und Sichtbarkeit vor Ort (Fahrzeug, Schild, Bauzaun). Verzeichniseinträge sind schnell erledigt und kosten nichts. Social Media frisst am meisten Zeit und ist am schwersten kalkulierbar. Was ohne Seite fehlt, ist nur eines: der Ort, an dem ein Interessent nachschaut, bevor er anruft.
Was Sie auch ohne Website erledigen müssen
Wer keine Website hat, ist nicht von allem befreit. Die Pflichtangaben für Geschäftspapiere gelten auch für E-Mails: Bei Einzelunternehmern ohne Firmenbucheintrag richtet sich das nach § 63 GewO, bei eingetragenen Unternehmen nach § 14 UGB (WKO, Stand 23.07.2025). Eine E-Mail-Signatur mit Name, Anschrift, Gewerbe und UID ist also kein Marketing, sondern Pflicht. Die WKO stellt dazu ein kostenloses Impressumsservice mit Mustertexten je Rechtsform bereit.
Zweiter Punkt: Kaltakquise hat enge Grenzen. Werbeanrufe und Werbe-E-Mails ohne vorherige Einwilligung des Empfängers sind nach § 174 TKG 2021 verboten – auch von Betrieb zu Betrieb. Der Strafrahmen reicht bis 50.000 Euro. Eine Ausnahme gibt es für E-Mails an eigene Bestandskunden, deren Adresse man beim Auftrag erhalten hat, wenn es um ähnliche eigene Leistungen geht und jede Nachricht eine Abmeldemöglichkeit enthält. Im Zweifel vorher bei der WKO nachfragen.
Empfehlung: der stärkste Kanal, aber steuerbar
Weiterempfehlung passiert nicht von selbst, sie lässt sich anstoßen. Am Ende einer Baustelle danach fragen. Zwei Visitenkarten dalassen statt einer. Der Nachbarin, die während der Arbeiten gefragt hat, die Nummer geben. Das kostet nichts außer einem Satz.
Die Grenze ist real: Empfehlung wächst langsam, hängt an wenigen Personen und bricht dann weg, wenn Sie sie am dringendsten brauchen – bei einer Auftragsflaute. Als einziger Kanal ist sie riskant.
Google-Unternehmensprofil: kostenlos und ohne Website möglich
Das Profil ist vollständig kostenlos, inklusive Fotos, Beiträgen, Bewertungen und Statistik. Eine Website ist keine Voraussetzung – im Profil steht dann eben nur die Telefonnummer. Wer Anrufe bekommt, die einen "Google-Eintrag" verkaufen wollen: Das Profil gibt es gratis direkt bei Google.
Für Betriebe ohne Kundenverkehr gibt es den Profiltyp "Unternehmen ohne festen Standort" mit Einzugsgebiet statt Adresse. Die Privatadresse bleibt dann verborgen, sichtbar sind die Gemeinden oder Bezirke, in denen Sie arbeiten (laut Google-Hilfe bis zu 20 Gebiete).
Rechnen Sie mit der Video-Verifizierung. Ins Video gehören Ortsbezug, beschriftetes Fahrzeug oder Firmenschild, Werkzeug und Ausrüstung sowie ein Nachweis, dass Sie über den Ort verfügen (Schlüssel, Geschäftsunterlagen). Ablehnungen kommen auch bei sauber gedrehten Videos vor, mehrere Anläufe sind normal.
Ein Hinweis für alle, die eine alte Google-Adresse auf Drucksorten haben: Die früher kostenlosen Websites aus dem Unternehmensprofil (Endung business.site) wurden am 5. März 2024 abgeschaltet, die Weiterleitung endete am 10. Juni 2024. Solche Links laufen heute ins Leere.
Verzeichnisse: einmal Aufwand, dann Ruhe
| Eintrag | Kosten | Aufwand |
|---|---|---|
| Firmen A–Z (firmen.wko.at) | im Mitgliedsbeitrag enthalten | als WKO-Mitglied automatisch angelegt, Daten ergänzen |
| Herold Basiseintrag | gratis | Formular, einmalig |
| Google-Unternehmensprofil | gratis | Einrichtung plus Verifizierung |
Wichtiger als die Anzahl der Einträge ist, dass Firmenname, Adresse und Telefonnummer überall gleich geschrieben sind. "Mustermann Bau GmbH" und "Bau Mustermann" sind für Suchmaschinen zwei verschiedene Betriebe.
Vorsicht bei bezahlten Verzeichnis- und Kombipaketen: Branchenüblich sind 24 Monate Bindung mit automatischer Verlängerung. Lesen Sie die Laufzeit, bevor Sie unterschreiben. Bei Streit ist die Internet Ombudsstelle die erste Anlaufstelle.
Fahrzeug, Schild, Bauzaun
Die beschriftete Ausstattung ist der einzige Kanal, der arbeitet, während Sie arbeiten. Einmalige Kosten, danach jahrelang Wirkung, und im Umkreis von zwanzig Kilometern sehen Sie dieselben Leute mehrmals.
Was zählt: Telefonnummer groß genug, um sie aus dem stehenden Auto abzulesen. Gewerbe klar benannt ("Fliesenleger", nicht "Raumkonzepte"). Ein Schild an der laufenden Baustelle, solange das mit dem Bauherrn abgesprochen ist.
Social Media: ehrlich betrachtet
Ein Facebook- oder Instagram-Profil bringt nur dann etwas, wenn es regelmäßig bespielt wird. Zwei Beiträge im Jahr wirken schlechter als gar kein Profil. Kalkulieren Sie realistisch eine halbe Stunde pro Woche – Fotos machen, auswählen, Text schreiben, Nachrichten beantworten.
Erfahrungsgemäß bringen regionale Facebook-Gruppen ("Was ist los in …") in einer Landgemeinde mehr direkte Anfragen als ein eigener Instagram-Kanal. Beides gehört Ihnen nicht: Reichweite, Regeln und Bestand entscheidet die Plattform.
Rechtlich sind Unternehmensprofile keine rechtsfreie Zone. Die Impressumspflicht nach § 5 ECG gilt laut WKO auch für Social-Media-Auftritte von Unternehmen, erreichbar in maximal zwei Klicks; dazu kommt eine Datenschutzerklärung (WKO Niederösterreich, veröffentlicht 14.01.2026). Wer keine Website hat, muss die Angaben also im Profil selbst unterbringen.
Aufwand gegen Ertrag
| Kanal | Kosten | Laufende Zeit |
|---|---|---|
| Empfehlung aktiv ansprechen | 0 | ein Satz pro Baustelle |
| Google-Unternehmensprofil | 0 | Einrichtung, dann ca. 10 Min./Monat |
| Verzeichniseinträge | 0 | einmalig 1–2 Stunden |
| Fahrzeugbeschriftung | einmalig, je nach Umfang | keine |
| Social Media | 0 bis wenig | ca. 30 Min./Woche, dauerhaft |
Was ohne Website tatsächlich fehlt
Drei Situationen, in denen es eng wird: Jemand hat Ihre Nummer von einem Bekannten, will sich vorher ein Bild machen und findet nur ein Kartenprofil. Ein Generalunternehmer oder eine Gemeinde fragt vor der Vergabe nach Referenzen. Und ein Lehrling – beziehungsweise dessen Eltern – schaut nach, wo er sich da bewirbt.
Wenn keiner dieser Fälle Sie betrifft und die Auftragsbücher voll sind, brauchen Sie keine Website. Das ist eine legitime Entscheidung und kein Versäumnis.
Sollte einer dieser Punkte irgendwann auftauchen: Die Pixel-Werkstatt baut Homepages für Handwerksbetriebe in Oberösterreich, 29 Euro im Monat inklusive Domain, Hosting, E-Mail und Änderungen, monatlich kündbar, bezahlt wird erst, wenn die Seite passt. Kein Grund zur Eile – die Seite läuft Ihnen nicht davon.
Stand: August 2026
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